Estland
In der Ostsee vor der Westküste Estlands zieht Saaremaa – die größte Insel des Landes – seit über acht Jahrhunderten Eroberer, Händler und Reisende an. Der Hafen des mittelalterlichen Kuressaare dient seit dem vierzehnten Jahrhundert als Ankerplatz, als die Deutschritter hier ihre prächtige Burg errichteten, und heute empfängt er Kreuzfahrtschiffe zu einem der lohnendsten Ziele der Ostsee.
Das prägende Wahrzeichen Saaremaas ist das Kuressaare Bischofsschloss – die am besten erhaltene mittelalterliche Burg der baltischen Staaten, deren honigfarbene Dolomitwände aus einem wassergefüllten Graben emporragen. Das Museum der Burg beleuchtet die komplexe Geschichte der Insel, die von der dänischen Eroberung, über deutsche Kreuzritter, schwedische Herrschaft, das Russische Reich, die sowjetische Besatzung bis hin zur estnischen Unabhängigkeit reicht. Die umliegende Altstadt bewahrt Holzhäuser, gepflasterte Straßen und einen Marktplatz, auf dem Händler geräucherten Fisch und mit Wacholder aromatisiertes Bier verkaufen.
Die kulinarischen Traditionen spiegeln die Lage der Insel zwischen skandinavischen, germanischen und russischen Einflüssen wider. Geräucherter Aal ist eine Delikatesse von außergewöhnlicher Fülle. Das dunkle Roggenbrot von Saaremaa – dicht und leicht süß – gilt als das beste Estlands. Wacholderbeeren verleihen Bier, geräuchertem Fleisch und Käse ihren besonderen Geschmack. Wilde Pilze aus den Wäldern der Insel – Pfifferlinge, Steinpilze und Milchlinge – erscheinen saisonal.
Jenseits von Kuressaare ist der Kaali-Meteoritkrater – vor 7.600 Jahren entstanden – einer der beeindruckendsten Meteoritstandorte der Welt. Der Vilsandi-Nationalpark schützt Brutstätten von Seevögeln und eine zerklüftete Küstenlinie. Traditionelle reetgedeckte Bauernhöfe, steinerne Windmühlen und mit Wacholder bewachsene Kalksteinwiesen schaffen eine ländliche Landschaft, die Jahrhunderte von urbanen Zentren entfernt ist.
Kreuzfahrtschiffe legen zwischen Mai und September in Kuressaare an. Juli und August bieten die wärmsten Bedingungen (17-22°C) und weiße Nächte zur Sommersonnenwende. Das flache Terrain der Insel macht das Radfahren ideal. Die Spa-Tradition setzt sich in modernen Wellnesszentren fort, die sich auf therapeutische Schlammbäder spezialisiert haben.