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An der Mündung des Flusses Aschaff in den Main, in den sanften Weinbergen Unterfrankens gelegen, wird Aschaffenburg oft als "das Nizza Bayerns" bezeichnet – ein Titel, den König Ludwig I. im neunzehnten Jahrhundert in Anerkennung seines milden Klimas und seiner bemerkenswerten Sammlung von Parks, Palästen und kulturellen Schätzen verlieh. Diese Stadt mit siebzigtausend Einwohnern, nur vierzig Kilometer südöstlich von Frankfurt, vereint fränkische Herzlichkeit mit einer Dichte an Kunst und Architektur, die ihre bescheidene Größe in den Schatten stellt.
Der Johannisburg-Palast, zwischen 1605 und 1614 aus dem charakteristischen roten Sandstein erbaut, der der Stadt ihr warmes Wesen verleiht, ist einer der bedeutendsten Renaissancepaläste Deutschlands. Seine vier massiven Flügel umschließen einen Innenhof klassischer Proportionen, und seine Türme bieten einen herrlichen Blick über das Maintal. Der Palast beherbergt die Staatsgalerie mit einer beeindruckenden Sammlung deutscher und flämischer Malerei sowie eine der weltweit besten Sammlungen architektonischer Korkmodelle – Miniaturnachbildungen römischer Tempel und Denkmäler, die im achtzehnten Jahrhundert von Carl May mit außergewöhnlicher Präzision gefertigt wurden.
Das Pompejanum, direkt unterhalb des Palastes am Ufer des Mains gelegen, ist eines der ungewöhnlichsten Gebäude Deutschlands – eine maßstabsgetreue Nachbildung einer römischen Villa aus Pompeji, in Auftrag gegeben von Ludwig I. und 1848 vollendet. Seine mit Fresken geschmückten Räume, Mosaikböden und der Peristylgarten rekreieren auf eindrucksvolle Weise die Wohnarchitektur des antiken Rom und bieten einen lebendigen Einblick in das klassische Alltagsleben. Der umliegende Schönbuschpark, ein englischer Landschaftsgarten von über einhundert Hektar mit einem neoklassizistischen Lustschloss, Tempeln und einem kleinen See, bietet einige der raffiniertesten Parkanlagen Deutschlands.
Die fränkische Küche und Weinkultur bieten tägliche Genüsse. Die lokalen Bocksbeutel-Weine – serviert in den charakteristischen, bauchigen Flaschen, die für Franken einzigartig sind – umfassen hervorragenden Silvaner und Müller-Thurgau aus Weinbergen, die von den Terrassen des Schlosses sichtbar sind. Die Restaurants der Stadt servieren traditionelle Gerichte wie Schäufele (Schweineschulter), Bratwurst und saisonale Spezialitäten, darunter Spargel im Frühling und Zwiebelkuchen im Herbst. Die Uferpromenade am Main, gesäumt von Biergärten und Cafés, bietet die perfekte Kulisse für einen entspannten Nachmittag voller fränkischer Gemütlichkeit.
Aschaffenburg ist ein beliebter Halt auf den Kreuzfahrtrouten des Mains und von Frankfurt aus bequem mit dem Zug zu erreichen (ungefähr vierzig Minuten). Das kompakte historische Zentrum der Stadt lässt sich am besten zu Fuß erkunden, wobei das Schloss, das Pompejanum und die Altstadt in angenehmer Gehweite liegen. Die lohnenswerteste Besuchszeit erstreckt sich von April bis Oktober, wobei die Spargelsaison im Frühling und die Weinfeste im Herbst besondere Anreize bieten. Aschaffenburg zeigt, dass einige der schönsten kulturellen Schätze Deutschlands nicht in den offensichtlichen Metropolen zu finden sind, sondern in den kleineren Städten, wo Geschichte, Kunst und das tägliche Leben mit unaufdringlicher Anmut verschmelzen.
