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Potsdam ist das elegante Alter Ego Berlins – eine Stadt voller Paläste, Parks und preußischer Pracht, die am Ufer der Havel liegt, nur dreißig Minuten von der deutschen Hauptstadt entfernt, sich jedoch wie eine völlig andere Welt anfühlt. Zwei Jahrhunderte lang war dies der Rückzugsort der Könige von Preußen und später der deutschen Kaiser, um die Geschäfte des Staates zu führen, die Künste zu verfolgen und Gärten von exquisiter Schönheit zu pflegen. Friedrich der Große, der Philosophenkönig, der Preußen in eine europäische Macht verwandelte, machte Potsdam 1747 zu seinem ständigen Wohnsitz und vermachte der Stadt den Palast und den Park, die bis heute ihren glanzvollen Höhepunkt darstellen: Sanssouci, ein Name, der "ohne Sorge" bedeutet und perfekt den Geist des raffinierten Genusses einfängt, den Friedrich in jede Terrasse, jeden Brunnen und jeden Weinberg seiner Schöpfung einfließen ließ.
Der Sanssouci Park erstreckt sich über nahezu 300 Hektar kunstvoll gestalteter Anlagen, die zu den schönsten in Europa zählen. Das Schloss selbst — eine einstöckige Rokoko-Konfektion in Gelb und Weiß, gekrönt von einer Kuppel und von sechs Terrassenweinbergen umgeben — wurde als Ort für intime Unterhaltung und intellektuelle Gespräche entworfen. Friedrichs Bibliothek, sein Musikzimmer (er war ein versierter Flötenspieler) und der intime runde Tisch, an dem Voltaire ein regelmäßiger Gast war, sind alle unversehrt erhalten geblieben. Am anderen Ende des Parks befindet sich das Neue Palais — erbaut nach dem Siebenjährigen Krieg, um zu demonstrieren, dass die preußische Schatzkammer bei weitem nicht erschöpft war — ein Schloss von wahrhaft imperialem Maßstab, dessen 200 Zimmer eine Galerie barocker und rokokohaft überbordender Pracht bilden, die Sanssouci im Vergleich geradezu bescheiden erscheinen lässt.
Die kulinarische Landschaft Potsdams spiegelt seine doppelte Identität als preußische Hauptstadt und moderne Stadt Brandenburg wider. Die traditionelle brandenburgische Küche — herzhaft, saisonal und tief verwurzelt im sandigen Boden der Mark — bietet Gerichte wie Eisbein (gepökelte Schweinshaxe), Spreewälder Gurken (die berühmten eingelegten Gurken aus dem nahegelegenen Spreewald) und Quarkkeulchen, süße, frittierte Kartoffel- und Quarkkuchen. Das Holländische Viertel — ein Raster aus roten Backsteinhäusern mit Giebel, das in den 1730er Jahren erbaut wurde, um niederländische Handwerker anzulocken — ist heute eine charmante Enklave aus Cafés, Boutiquen und Restaurants, die alles von traditioneller deutscher Küche bis hin zu vietnamesischem Pho und italienischem Gelato serviert. Der wöchentliche Markt am Bassinplatz ist eine Schau für die Bio-Bauern und handwerklichen Produzenten Brandenburgs.
Jenseits von Sanssouci ist die historische Landschaft Potsdams bemerkenswert dicht. Das Schloss Cecilienhof, im Stil eines englischen Tudor-Landhauses erbaut, war Gastgeber der Potsdamer Konferenz im Juli 1945, bei der Truman, Churchill (später Attlee) und Stalin über das Schicksal Deutschlands und Europas nach dem Krieg entschieden — der runde Tisch, an dem sie saßen, ist genau so erhalten, wie sie ihn verlassen haben. Die Glienicker Brücke, die die Havel mit Berlin verbindet, war die berühmte "Spionenbrücke", an der während des Kalten Krieges Gefangenenaustausche im grauen Dämmerlicht des geteilten Deutschlands stattfanden. Das Babelsberger Filmstudio, das älteste große Filmstudio Europas, produzierte Metropolis und Der blaue Engel und ist auch heute noch in Betrieb, was Potsdam eine unerwartete filmische Dimension verleiht.
Potsdam ist ein Anlaufhafen für CroisiEurope, VIVA Cruises und Viking auf ihren deutschen Wasserweg-Routen. Die Schiffe legen entlang der Havel an, nur einen Steinwurf vom Stadtzentrum und dem Sanssouci-Park entfernt. Die beste Zeit für einen Besuch ist von Mai bis Oktober, wenn die Gärten des Parks in voller Blüte stehen, die Innenräume des Schlosses von natürlichem Licht erleuchtet werden und die Cafés am Flussufer die angenehmste Kulisse für einen Brandenburger Nachmittag bieten. Potsdam ist einer dieser seltenen Orte, die es schaffen, sowohl tief historisch als auch durchweg lebenswert zu sein – eine Stadt, in der die Vergangenheit keine Last, sondern ein Geschenk ist.

