
Grönland
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Paamiut — bis 1979 unter dem dänischen Kolonialnamen Frederikshåb bekannt — schmiegt sich an die südwestliche Küste Grönlands, 62 Grad nördlicher Breite, und ist eine kleine Stadt mit etwa 1.400 Einwohnern, die zwischen dem Eisschild und dem Meer in einer der am dünnsten besiedelten Regionen der Erde eingeklemmt ist. Gegründet als dänische Handelsstation im Jahr 1742, um die Kabeljau-Fischerei auszubeuten und Robben- sowie Walprodukte von den indigenen Kalaallit zu erwerben, verbrachte Paamiut zwei Jahrhunderte als bescheiden wohlhabender Kolonialaußenposten, bevor der Zusammenbruch der Kabeljauvorräte in den 1990er Jahren seine Wirtschaft verwüstete und eine Abwanderung auslöste, die die Bevölkerung halbierte. Heute erfindet sich die Stadt durch Tourismus, Kunst und die stille Entschlossenheit einer Gemeinschaft neu, die in dieser außergewöhnlichen Landschaft seit Generationen überlebt hat.
Die Kulisse ist so majestätisch, dass sie eine Neubewertung des eigenen Maßstabs verlangt. Hinter der Stadt erheben sich Berge aus nacktem Gestein und Eis auf über 1.500 Meter, deren Flanken von Gletschertälern durchzogen sind, die das Schmelzwasser in geflochtenen Flüssen von milchigem Blau zum Meer leiten. Vor der Stadt erstreckt sich die Davisstraße westwärts in Richtung Kanada, ihre kalten Gewässer bereichert durch das Zusammentreffen arktischer und atlantischer Strömungen. Eisberge – abgebrochen von den Gletschern der Eiskappe – treiben mit der unaufgeregten Pracht schwimmender Kathedralen am Hafen vorbei, ihre Formen ständig umgestaltet durch Sonne, Wind und Welle. Im Sommer genießt die Stadt nahezu ununterbrochenes Tageslicht; im Winter werden die kurzen Dämmerstunden durch das Nordlicht kompensiert, dessen grüne und violette Vorhänge mit hypnotischer Frequenz über die Berge tanzen.
Die kulinarischen Traditionen von Paamiut sind tief in der arktischen Vorratskammer verwurzelt. Robbenfleisch, sowohl frisch als auch getrocknet, bleibt ein Grundnahrungsmittel – sein reichhaltiger, eisenhaltiger Geschmack ist für Besucher eine gewohnheitsbedürftige Delikatesse, jedoch essentielle Nahrung für ein Volk, dessen Beziehung zum Meer buchstäblich existenziell ist. Arktischer Saibling, Heilbutt und Garnelen aus den Fjorden bilden den Hauptfang der Stadt. Mattak – rohes Walspeck mit einer dünnen Schicht Blubber – ist eine traditionelle Delikatesse, die bei Gemeinschaftsversammlungen und nationalen Feierlichkeiten angeboten wird. Für Besucher bieten das örtliche Hotel und einige kleine Restaurants vertrautere Speisen neben traditionellen Gerichten an, und das Erlebnis, frisch gefangenen Heilbutt in Sichtweite der Eisberge zu genießen, in deren Wasser er schwamm, ist ein gustatorisches Erlebnis, das einzigartig für die Arktis ist.
Die umliegende Landschaft bietet Erlebnisse von tiefgreifender Einsamkeit und Schönheit. Wanderwege führen von der Stadt ins Hinterland, wo die einzigen Zeichen menschlichen Lebens die gelegentlichen Inukshuk-Hügel sind, die von früheren Reisenden hinterlassen wurden. Die Ruinen der nordischen Siedlungen — Überreste der Wikingerkolonisation, die vom zehnten bis zum fünfzehnten Jahrhundert dauerte — säumen die Küste südlich der Stadt, ihre eingestürzten Steinmauern erinnern daran, dass die europäische Zivilisation in Grönland seit über tausend Jahren kommt und geht. Das Wale beobachten vom Hafen — Buckelwale, Zwergwale und Finnwale ernähren sich von Juni bis September in den nährstoffreichen Gewässern — ist eine regelmäßige Erscheinung und keine geplante Aktivität. Und das Seekajakfahren, das Navigieren zwischen Eisbergen und vorbei an von Robben umgebenen Felsen in Wasser, so klar, dass man den Grund in zwanzig Metern Tiefe sehen kann, gehört zu den außergewöhnlichsten Paddelerlebnissen auf dem Planeten.
Paamiut ist mit dem Hubschrauber von Air Greenland von Nuuk (der Hauptstadt, etwa 160 Kilometer nördlich) oder mit der Küstenfähre erreichbar. Expeditionskreuzfahrtschiffe legen während der Sommersaison an, typischerweise vor Anker in der Nähe und bringen die Passagiere mit Tenderbooten in den kleinen Hafen. Die Besuchersaison erstreckt sich von Juni bis September, wenn die Temperaturen zwischen 5 °C und 15 °C schwanken und die Mitternachtssonne eine Landschaft von unvergleichlicher Pracht erleuchtet. Besucher sollten für alle Wetterbedingungen packen — das arktische Klima kann innerhalb einer Stunde von Sonnenschein zu Schneeregen wechseln — und die Gemeinschaft mit der kulturellen Sensibilität begegnen, die für eine kleine, eng verbundene Gesellschaft angemessen ist, die seit Tausenden von Jahren in dieser anspruchsvollen Umgebung überlebt hat.


